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Teil I Es scheint eine Art Segen über der Entwicklung unserer Musikkapelle zu liegen – vielleicht deshalb, weil diese gewissermaßen in der Kirche begonnen hat. Genauer gesagt: der musikalisch gut ausgebildete Schulmeister und – wie seinerzeit üblich – Kirchenorganist Georg Weßely begann vor mehr als 150 Jahren in Vorderstoder ein kleines Orchester aufzubauen, mit dem er die Gestaltung der kirchlichen Feste zu bereichern gedachte. Aus dieser „Kiramusi“ ging nahtlos die Musikkapelle Vorderstoder hervor und besteht ohne wesentliche Unterbrechung bis heute - eine Erfolgsstory! Wie ein solide gebautes Schiff segelte sie durch den Lauf der vielen Jahrzehnte; wann immer es ins Trudeln geriet, fand sich ein besonnener und tatkräftiger Steuermann, der es wieder auf Kurs brachte. Freilich hatten Weßelys Nachfolger mit der Kirchenmusik nicht mehr allzu viel auf dem Hut, obwohl auch diese traditionell bis in die Gegenwart in unserer Kapelle ihre Bedeutung hat. Der Fleischhauer Ferdinand Degelsegger und der Michl-Bauer Leopold Hackl bauten die Kapelle aus und erweiterten vor allem ihren Aufgabenbereich auf durchaus weltliche Bereiche. Es wird berichtet, dass schon vor dem Ersten Weltkrieg auch zum Tanz aufgespielt wurde. In der Zeit zwischen den großen Kriegen führten der Zimmermann Stefan Herzog, sein Sohn Arthur sowie die Brüder Johann und Ludwig Lindbichler zielstrebig und mit viel Umsicht die Kapelle. Letzterer schaffte auch den schwierigen Neubeginn nach dem auch für Vorderstoder schrecklichen und verlustreichen Zweiten Weltkrieg. Nach Hermann Antensteiner erreichte die Kapelle unter dem hochqualifizierten, heute als Blasmusikkomponist erfolgreichen Kapellmeister Bruno Sulzbacher einen musikalischen Höhepunkt. Er stellte anspruchsvolle Konzertmusik ins Zentrum unserer Aufgaben. So konnte sein Nachfolger, der Volksschulleiter Rainer Schlesinger, als bisher längstdienender Kapellmeister auf einem soliden Fundament weiterbauend die immer noch weitgehend bäuerlich strukturierte Kapelle mit der gebotenen Vorsicht und Rücksicht in die „Moderne“ begleiten. Heute ist die Musikkapelle Vorderstoder unter der Leitung von Johann Krenn ein stark verjüngtes, fast jugendliches Orchester, das den zeitgenössischen Strömungen geöffnet ist und dennoch die Tradition nicht vergessen hat. Teil II
1856 ist das überlieferte Gründungsjahr der Musikkapelle Vorderstoder. Zum Hunderter gab es ein denkwürdiges Fest, und zwei unserer aktiven Musiker waren damals schon dabei: Bruno Glöckl und Herbert Platzer, das Urgestein der Kapelle. Auch das 125-jährige Jubiläumsfest war ein großes Ereignis für Vorderstoder. Alle Vereine und Gruppen des Ortes und viele Gastkapellen beteiligten sich am Festzug, der von der Filzmoser Kapelle ins Dorf herein führte. 10 Jahre später sollte es ähnlich ablaufen; der geplante Festzug fiel aber ins Wasser – in des Wortes wahrster Bedeutung. Beim Aufstellen des Festzeltes hatten wir herrliches Sommerwetter, bei Abbauen ebenfalls. Aber dazwischen gab es Regen, als ob ihn jemand exclusiv für unser Fest bestellt hätte. Trotzdem war die Stimmung prächtig, und das war – nicht zuletzt dank den Hüttschlager Prangerschützen – nicht zu überhören. Zum 145-jährigen Bestand veranstalteten wir wieder ein Fest, diesmal auf dem neuen Bauhofgelände – klein, aber fein, und wie gehabt: Stimmung gut und laut. Die Anrainer pflegen solche historischen Schicksalsschläge mit Würde zu tragen.
Nach
135-jährigem Bestand der Kapelle startete eine neue Erfolgsgeschichte:
als musikalischen Schwerpunkt des Jubiläumsjahres veranstalteten wir im
Oktober ein Konzert beim Stockerwirt. Wir spielten ein anspruchsvolles
Programm, auf das wir uns sorgfältig vorbereitet hatten. Dazu kam 1994 ein jährliches Frühjahrskonzert mit eher unterhaltsamem Charakter und kleinen Überraschungseinlagen. Diese Veranstaltung ersetzte den traditionsreichen Musikball. Dieser Maskenball am Faschingssamstag war jahrzehntelang das gesellschaftliche Ereignis des Vorderstoderer Faschings. Leider hat sich der erhebliche Aufwand zuletzt einfach nicht mehr gelohnt. Daran hat auch die nach altem Vorbild wiedererstandene Bauernmusik unter der kundigen Leitung unseres unvergesslichen Eben-Toni schließlich nichts ändern können. Zu den beiden wichtigsten Maßnahmen der letzten 50 Jahre gehört die Neuinstrumentierung der gesamten Kapelle. In den Fünfzigerjahren waren unsere Musiker mit neuen, vernickelten Instrumenten ausgestattet worden – nach damaliger Auffassung eine kluge Entscheidung, eine Anschaffung „für die Ewigkeit“ gewissermaßen. Es hat sich allerdings herausgestellt, dass diese Instrumente keineswegs so robust waren, wie man es sich gewünscht hätte. Unsere Musiker – noch durchwegs männlich und tatkräftig – schafften es allemal, dass sie Ende der Achtzigerjahre nicht mehr sehr repräsentativ aussahen. Außerdem weiß man heute, dass Klangqualität und Stimmung durch das Vernickeln stark beeinträchtigt worden war. Dank der großartigen Unterstützung der Bevölkerung sowie der Gemeinde und des Bürgermeisters Ernst Lindbichler konnte das für unsere Verhältnisse überdimensionale Projekt mit einem Kostenaufwand von nahezu 700 000 Schilling die Basis für weiteres qualitätsvolles Musizieren legen.
Die Musikkapelle Vorderstoder erhielt zum Jubiläum 2001 zum vierten Mal eine neue einheitliche Tracht und man darf wohl behaupten, die schönste von allen. Sie hält sich weitgehend an den Vorschlag des Oö. Heimatwerkes und betont durch die Ähnlichkeit mit der Einkleidung des Trachtenvereins die Zusammengehörigkeit der Stoderer. Zwanzig Jahre lang trugen wir die braun-grünen Röcke, 1986 gab es neue Lederhosen und zwei Jahre später das „neue Gwandl“ für eine größere Zahl von Jungmusikern.
Auch bei der zweiten „Großtat“ in der Vereinsgeschichte müssen wir uns wiederum bei unseren Förderern und Unterstützern bedanken, es haben aber auch die Musiker/innen einen großen Beitrag dazu geleistet: der Einzug ins neue Probenlokal brachte endlich nach jahrzehntelanger Unzulänglichkeit die entsprechenden räumlichen Bedingungen für qualitätsvolles Musizieren. Die hell erleuchteten Fenster hoch über dem Dorf zeigen jeden Freitag Abend, dass sich glückliche Musiker(innen) wieder bemühen, den Willen ihres Kapellmeisters möglichst korrekt zu erfüllen – meistens.
In diesem Jahr brach ein bisher wenig beachteter Wandertrieb der Musikkapelle mit aller Vehemenz aus. Nach dem endgültigen Ableben der schon längere Zeit kränkelnden allgemeinen Maifeier auf dem Kirchenplatz machten wir uns auf, das Gemeindegebiet zu erwandern und unsere Mitbürger vor ihrer eigenen Haustüre mit einem Ständchen zu erfreuen. Jeweils
am 1. Mai wurde nach dem Weckruf im Dorf aufgebrochen; unsere Ziele:
Ramseben, Sonnleiten,
Hutterer Seite, Walchegg, Tamberg und Gaisriegl, „Mitterkrotzen“,
Steinerkogel und Ortsgebiet. Es ist ein richtiges Abenteuer! Und die Leute haben offensichtlich Freude an unseren Besuchen – das lässt sich an der großzügigen Bewirtung und der prächtigen Stimmung allerorts unschwer feststellen.
Und weil das Wandern so schön und das Fortfahren recht teuer ist, haben wir im Jahr 1997 auch gleich angefangen, Musik-Almwandertage einzuführen. Das erste Mal ging es ins Immerl Gsoll – mit Kind und Kegel und bester Laune und besonders fröhlichem Abschluss. Auch in den folgenden Jahren gab es tolle Wandertage: auf die Eckarten-Alm und das Steyrsberger Reith, auf die Stubwies-Alm und ins Hengstpassgebiet ( Laglalm, Inselsbacher Alm, Pugl-Alm ).
Siebenmal hat die Musikkapelle Vorderstoder in diesem Zeitraum das Warscheneck erklommen und die Gipfelmesse des Alpenvereins musikalisch gestaltet – in Anbetracht des Gewichtes von Basstuba & Co. auch eine beachtliche sportliche Leistung.
Wenn
die gestrengen Herren über unsere Finanzen grünes Licht gegeben haben,
dann ist sich schon auch gelegentlich ein Ausflug
– manchmal sogar zweitägig – ausgegangen. Wir waren im Innviertel, in
Osttirol ( Malta-Stausee ) und im Lungau, in Wien und im Burgenland
( Mörbisch ), in München, in der West- und der
Oststeiermark, im Salzburger Pongau ( Werfen, Hüttschlag ), im bayrisch-tirolerischen
Grenzgebiet Großer Dank gebührt den Organisatoren dieser Veranstaltungen, obwohl – oder gerade weil – diese Aufgabe meistens recht undankbar ist.
Und bei dieser Gelegenheit sei auch gleich festgehalten, dass es in unserem Verein – wie in den anderen auch – eine ganze Menge Aufgaben zu erfüllen gibt, von denen man nicht viel sieht und die doch von den zuständigen Leuten gewissenhaft und ohne großes Aufheben erledigt werden - häufig auch unbedankt, weil „es eh selbstverständlich“ ist. Genau dadurch aber wird „Vereinsleben“ möglich!
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